„Ein Nudelglück kommt selten allein …“
„Nudeln machen glücklich“, sagt Ernährungsberaterin Verena Jäger. Das lässt sich sogar wissenschaftlich beweisen: Nudeln sind reine Kohlenhydrate, die zur Bildung von Serotonin führen, dem Botenstoff für Glücksgefühle. Fröhlich waren die zwölf Kurs-Teilnehmer in der Stiehle-Kochschule allerdings auch schon, bevor sie sich nach rund drei Stunden über ihr leckeres, selbstgekochtes Menü hermachen konnten. Allein schon der Anblick der Zutaten, die Verena Jäger mitgebracht hatte, war ein Augenschmaus: Knackige rote Tomaten und Chilischoten, frischer Salbei und Basilikum und fruchtiges Obst sorgten für Farbvielfalt in der Küche und Motivation bei den zwölf Hobby-Köchen.
Die italienische Pasta-Küche gibt einiges mehr her als „Nudla mit Soß“ oder Spaghetti Bolognese. Einfache Grundzutaten lassen sich vielfältig kombinieren und mit raffinierten Extras verfeinern. Das kommt offenbar auch bei jüngeren Hobby-Köchen gut an: Die 20-jährige Lena hat den Kochkurs von ihren Freundinnen geschenkt bekommen. Natürlich haben die vier Mädels ihr Geburtstagskind begleitet – und machen sich in der Stiehle-Kochschule mit Feuereifer daran, eine Lachs-Zitronensoße herzustellen. Um die Lachs-Würfel aufzupeppen, braucht es gar nicht viel: Blanchierte Zitronenschalen, Safranfäden, Babyspinat und ein Schuss Wermut verleihen der hellen Soße aus Gemüsefond, Creme Fraiche und Sahne das gewisse Etwas. Auch die klassische Gemüselasagne gelingt der Mädchen-Clique, die sichtlich Spaß am gemeinsamen Koch-Abend hat.
Derweil kümmert sich das Ehepaar Kasparek um zwei völlig gegensätzliche Soßenvarianten. Schön scharf soll sie sein, die teuflische Tomatensoße mit Chili, Speck und schwarzen Oliven. Der Gorgonzola dagegen, der mit Milch, Sahne und Brühe aufgekocht wird, wird mit milder Süße verfeinert: Walnusskerne und Birnen-Würfel harmonieren wunderbar mit dem herzhaften Käse. Natürlich ist eine gute Soße nur die halbe Miete. Denn Nudeln sind nicht gleich Nudeln. Wenn es etwas schneller gehen soll, sind fertige Nudeln aus dem Supermarkt völlig in Ordnung. Man kann sie – ein bisschen Zeit vorausgesetzt – aber auch selber herstellen. Wichtig sind die richtigen Grundzutaten: „Für Nudeln braucht man Hartweizenmehl oder Spätzlesdunst“, verrät Verena Jäger ihren Kurs-Teilnehmern. Auf die Konsistenz kommt es also an: „Dunst ist etwas gröber als Mehl und feiner als Grieß.“ Das Hartweizenmehl wird mit fünf Eiern und einem Esslöffel Öl geknetet, bis der Teig schön glänzend und geschmeidig ist. Danach muss er mindestens eine halbe Stunde ruhen.
Mithilfe einer Nudelmaschine wird der Teig anschließend in die gewünschte Form gebracht: Von Spaghetti bis Tagliatelle ist vieles möglich. Für die Ravioli, die es am Nudel-Abend in der Stiehle-Kochschule geben soll, werden schmale Platten durch die Maschine gedreht. Das Grund-Teig-Rezept hat Verena Jäger für die Ravioli etwas abgewandelt: Das Öl hat sie durch zwei Esslöffel Tomatenmark ersetzt. So passt der Teig perfekt zu den beiden Füllungen: Die grüne Variante enthält Spinat, Kalbsbrät und etwas Ziegenfrischkäse, die rote ist aus Frischkäse, Pesto Rosso und etwas Basilikum. Und wie kommt die Füllung jetzt in die Nudeln? Das ist gar nicht so schwer. Die Pasten werden mithilfe eines Spritzbeutels auf den länglichen Nudelplatten verteilt. Dann werden die Ränder übereinandergeschlagen, so dass eine geschlossene Rolle entsteht. Diese wird mit einem Ravioli-Rad in die typischen kleinen Täschchen zerteilt.
Weil sich ein richtiges Nudel-Menü nicht nur auf die Hauptgänge beschränkt, bereitet Verena Jäger gemeinsam mit ihren Kursteilnehmern auch die passenden Vor- und Nachspeisen zu. In die Brühe kommt nicht nur ein frisches Würtinger Suppenhuhn, sondern auch Möhren, Lauch und Kräuter-Suppennudeln. Die wohl ausgefallenste Kreation aber ist der Nachtisch, den Manuel und seine Freundin Yvonne zubereiten: Der Nudelteig wird mithilfe von Kakao und Zucker süß und dunkel. Yvonne belegt die Nudelplatten mit Nougatwürfeln, legt die andere Platte darüber und sticht Herzen aus. Diese werden in Salzwasser drei bis fünf Minuten gekocht. Manuel hat derweil die Ananas vorbereitet: Er schneidet die Frucht in Würfel und brät sie goldbraun an. Für die Soße wird karamellisierter Puderzucker mit Sahne und Amaretto vorsichtig abgelöscht, sämig eingekocht und schließlich über Ananas und Schokoherzen gegeben – ein Gedicht. |
    
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