März 2011 PDF Druckbutton anzeigen? E-Mail

Fingerfood: Sehr fein sind die vielen, schmackhaften Kleinigkeiten, die so manches Büffet aufhübschen und den Gästen dabei auf der Zunge zergehen. Wenn die Häppchen nur nicht so schnell weg wären…

Mit Liebe zum Detail

Wer sich Gäste einlädt, möchte nicht immer das ganz große Programm auffahren. Und gerade im Sommer, wenn’s heiß ist, spielt das Essen eine eher untergeordnete Rolle. Der Genuss steht dafür im Vordergrund, gerne in vielen verschiedenen Ausführungen und auch ganz gerne mundgerecht. Sie kommen also wie gerufen, die verführerischen Rezeptideen für köstliches Fingerfood und raffinierte Häppchen, die nicht nur kalte Büffets optisch schöner machen sondern auch wirklich klasse schmecken. Wie man sie zaubert, verrät Ernährungsberaterin Verena Jäger bei der Märzausgabe des Kochkurses im Stiehle-Küchenstudio.

„Zucchini-Parma-Röllchen, gefüllte Minitomaten, Käsepralinen, gefüllte Datteln, Champignons Lorraine, Käse-Tymian-Cracker, Käsewindbeutelchen, Oliven-Schafskäse-Creme, Miniquiches, Räucherlachs-Rollen, geeiste Gurken-Dill-Suppe, Couscous-Gemüse-Salat und zum Schluss: gefüllte Erdbeeren.“ Mhhh… da läuft einem ja schon vom Zuhören das Wasser im Munde zusammen, denn ehe es ans Werk geht, liest Verena Jäger die Rezeptliste vor „Wir haben viel vor heute Abend“, verrät sie vorab. Und so mancher Teilnehmer guckt schon ein wenig überfordert. Dann geht es ans Rollen, füllen, schichten, backen, raspeln, walzen und und und. Jeder der Kochkursteilnehmer bekommt einen Rezept-Auftrag. Jäger und auch die anderen Teilnehmer stehen mit Rat und Tat zur Seite. Für manche ist es das erste Erlebnis dieser Art. Udo Kalbfell aus Metzingen etwa kocht daheim eigentlich nicht und fängt klein an damit, an diesem Abend. Unter Aufsicht und mit Unterstützung seiner Eltern und seiner Frau. „Am Anfang war ich geschockt, wie viel wir heute machen“, sagt er. „Da dachte ich, wir stehen noch eine Woche hier.“ Aber Scherz beiseite – geteilte Arbeit macht sich schließlich schneller und so dürfte ein Abend genügen.

Stück für Stück, Röllchen für Röllchen und Häppchen für Häppchen wächst das Büffet vor sich hin. Die Teilnehmerhaben eine Menge Spaß und gehen regelrecht auf in den filigranen Arbeiten, die teilweise viel Fingerspitzengefühl erfordern. Da werden Datteln in Speck eingerollt, Radieschen, Pistazien und Pumpernickel gehackt, Paprika gewürfelt, Käse gerieben, Lauch geschnippelt und Toastbrot gerollt - natürlich fein gefüllt. Gurken ausgehöhlt, Pilze gestopft, Tomaten gefüllt, Cremes angerührt und Erdbeeren verziert. Und immer wieder wird genascht, denn bei so vielen schmackhaften Zutaten kann kaum einer seine Finger bei sich behalten. Wenn sie doch nicht so klein wären, die Häppchen. Da fällt’s gar nicht auf, wenn eins oder zwei oder drei vom Tablett verschwinden. Was sich niedlich anhört, kann aber trotzdem ganz schön Arbeit machen. Vor allem, wenn man sich vornimmt, ein reines Vorspeisen-Büffet zu kreieren. Da ist man schon mal einen ganzen Tag beschäftigt, um die Gäste mit Fingerfood alleine satt zu kriegen. Dieser Stress muss aber nicht sein. Auch in Form einer kleinen Vorspeise, quasi als Ergänzung zum Grand Diner, machen sich die Häppchen bestens. Und wenn es doch das reine Fingerfood-Büffet sein soll, ist gut beraten, wer sich Hilfe holt. Wenn jeder ein Rezept übernimmt, entsteht am Ende – ganz stressfrei – doch noch ein großer, bunter Gabentisch. Als Anregung, „wenn man mal was mitbringen muss“, sieht auch Elfriede Kasparek aus Kusterdingen diesen Kochkurs. „Wenn man zum Grillen eingeladen ist, ist es gut, ein bisschen Fingerfood mitzubringen, das man gut vorbereiten kann“, sagt sie und ist dankbar für die praktischen Tipps der Ernährungsberaterin.

Jedes Mal ein anderer Kochkurs, immer neue Themen und Ideen – woher nimmt Verena Jäger eigentlich ihre Inspiration? Fällt einem da überhaupt noch was ein? Die Blondine lacht und gibt sich zuversichtlich: „Ideen habe ich viele. Manchmal frage ich mich dann, was kann man davon überhaupt machen, was ist tatsächlich im Kurs realisierbar?“. Generell legt sie Wert darauf, „dass ich auch dahinter stehen kann“, wie sie sagt. Ihr Steckenpferd ist die regionale und saisonale Küche. Gartenfrische Zutaten pfiffig und schmackhaft zusammengestellt – das ist es, wofür Verena Jäger steht. „Es muss umsetzbar sein und trotzdem raffiniert und kreativ“, formuliert sie ihren Anspruch. Auch, wenn’s die dreifache Mutter zu Hause oft nicht leicht damit hat, so isst sie selbst am liebsten Gemüse und Salat. „Ich koche alles, was der Kühlschrank und der Markt so hergeben.“

Das hat man auch beim Fingerfood-Kochkurs gemerkt. Die Rezeptideen sind vielfältig, clever zusammengestellt und auf jeden Fall ein Geschmackserlebnis der besonderen Art. Manche Zutaten entfalten erst in Kombination ihre volle Wirkung und kitzeln auch den letzten Geschmacksnerv wach. Manch einer kriegt nicht genug davon und lang auch beim gemeinsamen Abschluss-Essen immer wieder kräftig zu. Der Appetit ist einfach zu groß. Alles sieht nicht nur lecker aus, sondern schmeckt auch noch sehr lecker. Und was anfangs nach viel Arbeit und einem ziemlich imposanten Abendprogramm klang und so manchen Hobbykoch oder Küchenneuling etwas mutlos dreinblicken ließ, lässt am Ende keinen Zweifel offen: Der Aufwand hat sich definitiv gelohnt.
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